Maria, wie ist es eigentlich... in einer WG zu leben?

Ups. Dieses Thema habt ihr euch bereits vor einem dreiviertel Jahr gewünscht. Nur war ich immer zu faul, weil ich (immer noch) nicht weiß, wie ich das Ganze sinnvoll strukturieren könnte. Nunja, ich werde jetzt einfach drauf losschreiben. Ich möchte aber vorher erwähnen, dass das natürlich meine Meinung ist und auf meinen Erfahrungen und vor allem meinen (ehemaligen) Mitbewohnern basiert. Das hier ist keine Anleitung wie das so in EINER WG funktioniert, sondern wie es in MEINEN WGs ablief, was mir gefällt und was weniger.

In wie vielen WG's hast du schon gelebt, Maria?
Ich hab das Ganze mal durchgezählt und mich ganz schön erschrocken und ich würde jetzt behaupten, dass ich einiges an WG Erfahrung sammeln konnte. Im Jahr 2008 bin ich von zu Hause ausgezogen und lebe seitdem in WGs. Das heißt schon ganze sechs Jahre, achduje. Und in diesen sechs Jahren habe ich in fünf verschiedenen WGs (lokal) gewohnt. Klingt nicht viel, ABER: die Wohnsituation in WGs ändert sich ständig. Entweder geht jemand ins Ausland, ist schon mit dem Studium fertig, will mit dem Freund/der Freundin zusammenziehen usw. Deshalb habe ich zwar nur in fünf WGs gewohnt, allerdings in zwölf (12!!) unterschiedlichen Mitbewohnerkonstellationen. Wuhiii. Hier mal ein kleiner Überblick:
WG 1 in Erfurt: zwei Jungs und ich und schon allein drei unterschiedliche Konstellationen.
WG 2 in Lille: ein Mädchen und ich.
WG 3 in Erfurt: zuerst zwei Mädchen und ich, dann wieder zwei Mädchen und ich, dann ein Mädchen und ein Typ und ich.
WG 4 in Halle: ein Mädchen und ich.
WG 5 in Erfurt: ein Typ, zwei Mädels und ich, ab September in der vierten Konstellation.
Lieber mit Fremden oder Freunden zusammenziehen?
Wie bereits gesagt: da muss jeder selbst seine Erfahrungen machen. Mir wurde immer gesagt "Zieh bloß nicht mit Freunden zusammen, da verkracht man sich bloß nur." Das habe ich auch bis WG 3 so durchgezogen, doch musste dann feststellen, dass es mit Freunden viel besser ist. Also ich hab bisher in noch keiner WG mit ausschließlich nur Freunden von mir zusammengewohnt, sondern immer mit einer Freundin und der Rest waren Unbekannte. Trotzdem fand ich das ziemlich gut. Denn man kennt sich, weiß ungefähr schon wie derjenige im Hinblick auf Sauberkeit tickt usw. Außerdem muss man nachts nie allein nach Hause laufen, weil man ja eh mit der Freundin zusammen wohnt. :D

Zweck-WG oder keine Zweck-WG?
Die Mischung macht's! Aber eher Zweck-WG. Eben genau das, was die meisten nicht wollen. :D Für mich ist es wichtig, dass ich mich gut mit meinen Mitbewohnern verstehe, dass ich mit ihnen mal in der Küche quatschen kann, dass wir vielleicht auch mal zusammen feiern gehen (wenn da gleiche Interessen bestehen). Aber was ich gar nicht haben kann ist, wenn die WG alles zusammen machen will, Kochtage und Spielabende einführt und ständig jemand in dein Zimmer kommt und mit dir quatschen will. Da fühl ich mich eingeengt. Ich finde es am besten, wenn man sich gut versteht, aber trotzdem jeder noch einen eigenen Freundeskreis hat. Ich möchte das machen, worauf ich Lust habe und kein schlechtes Gewissen haben müssen, weil heute Kochtag ist und ich lieber n Burger essen gehen möchte. Versteht mich nicht falsch, ich fänd es jetzt auch nicht schlecht, wenn man in der WG zu sehr guten Freunden wird, aber das war bei mir bisher einfach noch nicht der Fall und ich fand es nicht schlimm. In Halle dagegen wollte die Mitbewohnerin alles mit mir zusammen machen und hat sich nach drei Wochen Zusammenziehens beschwert, dass ich kaum da wäre und sie sich das WGleben so nicht vorgestellt hätte. Nun ja, aber wenn ich nun mal merke, dass die Person zwar ganz nett ist, aber wir ganz und gar nicht auf einer Wellenlänge sind, wieso sollte ich mich dazu zwingen mit der Person mehr zu unternehmen, nur weil wir zusammenwohnen? Sowas weiß man halt vorher nicht. Man lernt sich nun mal erst so richtig während des Zusammenlebens kennen und stellt dann eventuell fest: Naja, ist okay, aber Freunde werden wir nicht. :D
Wie viele Mitbewohner findest du am besten?
Nie wieder 2er WG! Ehrlich. Auch aus diesem Grund, den ich im vorigen Punkt genannt habe. In einer 2er WG wohnt man einfach viel näher miteinander und wenn es dann nicht klappt, man sich unwohl fühlt...dann hat man Pech gehabt. :D In einer WG mit mehreren Mitbewohnern hat man immer noch die Chance, dass es nur einer ist, der doof ist. Oder so. ;) In einer 2er WG kann nicht demokratisch abgestimmt werden, sondern es steht immer 1:1. Ansonsten habe ich nur in 3er und 4er WGs gewohnt und fand das ganz gut, allerdings würde ich nie mehr als drei Mitbewohner haben wollen, das wäre mir einfach zu viel.

Putzplan: ja oder nein?
Definitiv JA! "Wir haben ja keinen Putzplan, das funktioniert schon irgendwie. Wenn es dreckig ist, wird halt sauber gemacht." PHAHAHAHAHHA. Funktioniert nicht. NIE. Zumindest nicht gerecht. Denn irgendwann ist es dreckig und ich garantiere euch, irgendwann sieht das aber immer nur ein Mitbewohner und der ist dann der Dumme, der ständig sauber macht. (wie gesagt, ich spreche nur aus meiner Erfahrung!). Mittlerweile bin ich der größte Fan von Plänen in WGs. Solang sich alle daran halten, funktioniert es super. Das ist natürlich die Bedinung: jeder muss sich daran halten. Das klappt leider auch nicht immer.  In einer 2er WG hingegen kann das ganze auch ohne Putzplan funktionieren.

Was spricht für eine WG?
Natürlich erst einmal der Preis: es ist viel günstiger sich die Kosten zu teilen: die Miete, die Nebenkosten, das Internet/Telefon. Hinzu kommt, dass man oft in WGs schon alles hat und keine großen Anschaffungen (Waschmaschine, Küche usw) machen muss. Also: sparen.
Man wohnt nicht allein: das erste Mal von zu Hause ausgezogen und trotzdem fühlt man sich nicht allein. Selbst wenn man nicht immer etwas zusammen unternimmt, aber man weiß, es ist jemand da.
Hausarbeit: man muss nicht die komplette Wohnung allein putzen, weil sich ja (falls Putzplan vorhanden) alle reinteilen. 
Man lernt Leute kennen, die man sonst so vielleicht nicht kennen gelernt hätte.
Idealerweise wird einem vor Augen geführt was es bedeutet Anstand zu haben, auf andere zu achten und nicht nur an sich selbst zu denken. Das ist meiner Meinung nach Voraussetzung für ein schönes Zusammenleben.

Was spricht gegen eine WG?
Man wohnt nicht allein: jeder Mensch hat eigene Vorstellungen von "sauber" und "dreckig". Das musste ich immer wieder feststellen. Was mich vielleicht stört (Haare im Sieb der Badewanne), fällt anderen gar nicht auf! Verrückt!  Manchmal möchte man seine Ruhe, doch der Mitbewohner hat Freunde eingeladen (ist ja auch sein gutes Recht). Oder umgekehrt: man möchte eine kleine Party schmeißen, doch der Mitbewohner hat bald Prüfungen. Man muss sich absprechen, sich organisieren und Regeln einhalten.
Aber, wie bereits schon erwähnt, mein einziger großer Punkt, der gegen eine WG spricht ist die Sauberkeit. :D Ansonsten ist alles gut. (;
Wirst du nach dem Studium wieder in eine WG ziehen?
Sag niemals nie, ne? Aber eigentlich hatte ich das nicht vor. Ich freue mich mittlerweile wirklich auf meine eigene Wohnung. In den zwei Monaten in Strasbourg konnte ich das ja schon genießen und ich würde mich wirklich freuen, wenn das ab 2015 dann für mich klappen würde. Nur so richtig beeinflussen kann ich das auch nicht, das hängt ja von den Umständen dann ab. :)



Ich hoffe ich habe an alles gedacht. Falls ihr doch noch Fragen zum WG-leben habt, stellt sie in den Kommentaren. :) Falls es viele sein sollten, werde ich die Antworten hier im Beitrag ergänzen. :)


Kommentare :

  1. ich habe durch mein dualstudium schon in ca. 4 wgs gewohnt..meistens habe ich nicht so gute Erfahrungen gesammelt, da die INteressen oft unteschiedlich waren oder es zuviel zusammen gemacht worden ist. ich bin da eher wie du..ein bisschen reden und vielleicht feiern, aber bitte nicht zuviel..ich habe bisher mit 2er wgs gute erfahrungen gemacht..allerdings waren diese auch nur mit Männern..
    mit den 4er wgs lief es gar nicht gut, was aber auch daran lag, dass ich wohl nur für 3 monate da war und sozusagen geduldet war als "gast"...bin dennoch froh, dasss ich jetzt wieder alleine wohne und mir niemand was wegessen kann..;);)

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  2. voll guter beitrag, einfach total interessant, wie du das wg leben so empfindest :) ich wohne zb in einer 2er wg mit einer freundin, anfangs kannten wir uns nicht gut und brauchten auch so 2-3 monate, bis alles entspannt war aber jetzt sind wir viel besser befreundet, kommen zu 2. ohne putzplan super aus und unternehmen zwangslos was miteinander :) bei ner 2er wg muss echt die chemie stimmen und geldfragen sind immer ein bisschen kritisch aber mit der richtigen person funktioniert das auch. kenne aber auch gaaaanz viele, die zu 2. nur negtaive erfahrungen gemacht haben. :/

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  3. Total interessanter Post :3 ich hab jetzt halt meine eigene Wohnung und deswegen finde ich dass echt spannen mal was über die Erfahrung einer Wg zuhören/lesen :D

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  4. Schöner Beitrag. Da könnte ich ja auch geschichten erzählen.^^ In nem Wohnheim hast du noch nie gewohnt, oder?

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  5. Dein Post hat mir total gefallen. Für mich persönlich wäre das nie in Frage gekommen jemals in eine WG zu ziehen, weil ich einfach nicht der Typ für sowas bin und gerne auch mal für mich alleine bin aber für Leute die ungern alleine sind und Trubel mögen ist das wirklich toll. Und man spart wirklich Unmengen an Geld.

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