Maria, wie ist es eigentlich ... als Au-Pair zu arbeiten?

Ich habe diesen Beitrag zwar schon einmal als Gastbloggerin verfasst, aber komischerweise habe ich auf meinem eigenen Blog noch nicht drüber geschrieben. Nun hat Leonie auf ihrem Blog über ihre Au-Pair Zeit in London berichtet und mich gefragt, ob ich das nicht auch tun könnte, da es vielen ihrer LeserInnen geholfen hätte. Deshalb krame ich meine liebgewonnene, aber leider fast in Vergessenheit geratene Blogreihe "Maria, wie ist es eigentlich...?" hervor und berichte von meiner Zeit als Au-Pair vor sieben Jahren (oh wie lang das schon wieder her ist). Nach dem Abi bin ich also nach Frankreich gegangen. Ganz allein, mit 18 Jahren in ein fremdes Land gezogen, dessen Sprache ich zwar fünf Jahre in der Schule gelernt, aber nie angewendet habe -außer in Klausuren, aber naja, spätestens seit ich mich mit der Gastmutter unterhalten wollte, wusste ich, dass das nicht zählt. Gastmutter? Genau. Ich bin nämlich nach Frankreich gegangen, um bei einer Familie als Au-Pair zu arbeiten. Zehn Monate wohnte ich in Vaucresson, einem kleinen Vorort von Paris. Die Zeit war grandios, aber es gab Höhen und Tiefen, ich war nach drei Tagen nervlich am Boden und wollte zurück nach Hause, im Mai graute es mir hingegen davor schon bald wieder gehen zu müssen.


Was muss vorher erledigt werden?
Man kann privat als Au-Pair arbeiten oder das Ganze mit einer Agentur durchplanen und sich helfen lassen. Hier rate ich dringend (!) zu einer Au-Pair Agentur. Zwar kostet die Geld (bei mir waren es einmalig ca. 100 Euro), aber du bist einfach auf der sicheren Seite. Du füllst dein Profil aus, was dann die Agentur an einige Familien schickt. Die wiederum „bewerben“ sich dann sozusagen bei dir, in dem sie dir eine Mail mit allen Infos (Familie, Unterkunft, Bezahlung, Kinder, Aufgaben, usw.) schicken. Ich habe mich dann für die zweite Familie entschieden, da die erste Familie ein Au-Pair suchten, das vor allem ihre Kinder mit dem Auto durch Paris kutschiert. Danach habe ich noch kurz, so gut es ging, mit der Mutter telefoniert und wir haben alles ausgemacht: Ankunft, Ende, usw. Solang du in der EU als Au-Pair arbeiten wirst, musst du dich eigentlich nicht um viel anderes kümmern. Denk daran, dass du im Ausland versichert sein musst, alle gängigen Impfungen hast sowie alle wichtigen Dokumente dabei hast.

Warum ist die Agentur so wichtig?
Ich möchte darauf hinweisen, dass das meine Meinung ist. Andere kamen bestimmt auch super ohne Agentur zurecht, aber man ist einfach auf der sicheren Seite, falls es doch zu Problemen kommen sollte. Es gibt sogar Agenturen, die dann vor Ort ein Treffen mit allen neuen Au-Pairs organisieren, so dass du gleich andere Leute kennen lernen kannst. Aber der Hauptgrund ist die Sicherheit. Denn du kommst in eine fremde Familie und weißt nicht was auf dich zukommt. Ich habe ein paar Freundinnen in Paris gefunden, die auch Au-Pairs waren und habe die schlimmsten Geschichten gehört. Vom Ausnutzen bis zur Belästigung war alles dabei und hierfür ist die Agentur dein Retter in der Not. Sobald du Probleme mit deiner Familie hast, kannst du die Agentur vor Ort, denn es gibt immer eine Partneragentur vor Ort, kontaktieren. Entweder hilft sie dir das Problem mit der Familie zu lösen, oder aber sie unterstützt dich darin dort auszuziehen und eine neue Familie zu finden. Hinzu kommt, dass Familien, die in einer Agentur sind, meist sicherer sind, da sie ja sonst ihren Platz in der Agentur verlieren würden. Leider kann ich euch meine Agentur gar nicht mehr empfehlen, obwohl ich sehr zufrieden war. Nur gibt es die leider nicht mehr.

Meine Familie
Ich war in einer Familie mit drei Kindern, die 7, 11 und 13 Jahre alt waren. Das ist wichtig, da die Aufgaben natürlich variieren. Wenn ihr auf Babys aufpassen müsst, kann es sein, dass ihr mehr arbeiten müsst. Alle weiteren Infos sind daher auf meine Arbeit mit diesen drei Kindern bezogen.

Die Aufgaben
Das ist natürlich von Familie zu Familie unterschiedlich. Aber ein weiterer Vorteil einer Agentur ist, dass es Verträge gibt. In denen stehen deine Aufgaben, deine freien Tage und dein Mindestgehalt. Normalerweise gehören zu deinen Aufgaben nur die Kinder! Das heißt: Sie abholen, für sie Essen machen, ihre Kinderzimmer ordentlich halten, sie beschäftigen und so weiter. Eigentlich gehört Hausarbeit NICHT zur Arbeit eines Au-Pairs. Trotzdem gibt es Familien, die das verlangen. Deshalb solltest du vorher genau mit der Familie absprechen (und im Vertrag festhalten), was deine Aufgaben sind. Erlaubt sind kleine Hausarbeiten, wie Wäsche aufhängen, Wäsche waschen, Geschirrspüler ausräumen, Müll wegbringen. Solltest du den Haushalt führen müssen, muss die Familie dir mehr als nur das Au-Pair Gehalt zahlen. In Frankreich gehen die Kinder in eine Art Ganztagsschule bis 16:30 Uhr. Mittwochs haben sie (nicht überall) frei, was meist für die Freizeitaktivitäten genutzt wird. Ich habe also Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag erst ab 16:00 Uhr angefangen zu arbeiten und die 7-jährige von der Schule abgeholt, mit ihr Hausaufgaben gemacht, Flöte geübt, sie bettfertig gemacht, Essen für alle Kinder und mich gemacht und die Kleine dann ins Bett gebracht (ihr was vorgelesen), so dass ich meist bis 20.30/21 Uhr gearbeitet habe.
Der Mittwoch sah anders aus, da die Kinder hier frei hatten, kümmerte ich mich den ganzen Tag um sie. Am Wochenende hat ein Au-Pair eigentlich frei, natürlich kann man mit der Familie auch Sachen unternehmen. 1 - 2 Mal Babysitten in der Woche, heißt eben abends bis nachts auf die Kinder aufpassen, gehört auch noch dazu.

Kosten und Unterkunft
Normalerweise solltest du keine anfallenden Kosten während deiner Au-Pair Zeit haben. Du zahlst höchstens einmalig die Agenturgebühr und natürlich deinen Transport ins jeweilige Land. In meinem Vertrag musste sich aber die Familie darum kümmern, dass ich eine Métrokarte für die Zeit habe. Wenn du noch eine Sprachschule besuchen möchtest, musst du hier auch Kosten einplanen, manche Familien zahlen das aber sogar. Deine Gastfamilie muss dir eine Unterkunft bieten. Entweder im selben Haus mit eigenem Zimmer und Bad oder sogar im eigenen Studio (eigene Wohnung mit einem Zimmer, Küchenniesche und Bad). Außerdem darfst du auch auf Kosten der Familie essen, d.h. dich deren Kühlschrank bedienen usw.
Die einzigen Kosten, die dich also erwarten, sind die in deiner Freizeit.

Wichtig!
Du kommst in eine Familie, die ihre eigenen Regeln hat und diese musst du umsetzen. Du bist nicht da, um die Kinder nach deiner Art zu erziehen. Wenn die Eltern den Kindern erlauben viel Fernzusehen, dann ist das so, da hast du dich nicht einzumischen. Sollte natürlich Gewalt ins Spiel kommen, würde ich hier die Agentur kontaktieren. Aber bei allen anderen, 'normalen' Erziehungsmethoden hast du dich anzupassen. Natürlich habe ich auch meine eigenen Methoden angewandt (haha, wie das klingt), aber das letzte Wort haben nun einmal die Eltern.
 
Sprache
Die Sprache war anfangs ein großes Hindernis. Ich habe wirklich, gerade eben beim Sprechen, fast nichts verstanden. Deshalb habe ich die Mutter gefragt, ob sie mir meine Aufgaben am Anfang noch aufschreiben kann, denn so kann ich nichts falsch verstehen oder vergessen, da ich es auch noch einmal im Wörterbuch nachschlagen kann. Was aber im Laufe der Zeit passiert, ist wirklich toll. Du lernst nebenbei eine Sprache, ohne viel Vokabeln pauken zu müssen, da du diese im Alltag anwendest. Ich kann außerdem empfehlen so viel wie möglich Fernzusehen (natürlich aber in der fremden Sprache!), das hilft auch ungemein! Ich konnte wirklich kaum etwas, hatte ein Sprachniveau von A2 (Anfänger) und konnte danach wirklich fließend französisch sprechen. Natürlich nicht perfekt, aber man versteht so gut wie alles im Alltag, im Fernsehen, im Kino, kann Bücher lesen und selbst reden. Das ist wirklich richtig toll.

Wie waren deine 10 Monate in der Nähe von Paris?
Wunderbar! Ich sage immer: Es gibt keine günstigere Variante nach dem Abitur ins Ausland zu gehen, als als Au-Pair zu arbeiten. Die Zeit war eine wunderbare Erfahrung. Natürlich gab es auch blöde Momente. Direkt am dritten Tag rief ich heulend meine Mama an, dass ich das nicht packe und nichts verstehe und sofort nach Hause möchte. Aber ich hatte so ein Glück mit der Familie, die mich nicht ausgenutzt hat, so dass ich die Wochenenden mit meinen neuen Freundinnen, alles Au-Pairs, in Paris genießen konnte. Ich habe eine wundervolle Freundin, mit der ich noch immer befreundet bin, gefunden, so viele Erfahrungen gemacht und habe jede Menge Selbstvertrauen gewonnen. Ich kann das wirklich nur weiter empfehlen.


Habt ihr selbst schon als Au-Pair gearbeitet? Wo und was habt ihr für Erfahrungen gemacht?

Kommentare :

  1. Wow! Toller und interessanter Post!

    Ich hatte leider nie das Vergnügen als Au-Pair zu arbeiten!

    Jetzt freue ich mich gleich noch mehr auf Paris! Im Frühling gehts los!

    Schöne Bilder hast Du gemacht!

    xoxo Jacqueline
    www.hokis1981.blogspot.com

    AntwortenLöschen
  2. das ist wirklich ein wunderbarer post, werde gleich den von der dame die in London war auch noch lesen :)
    wie lange hat es bei dir gedauert, von der ursprungsidee "ich moechte au pair werden", bis es dann endlich losging?
    ich hab damals nach der schule (hab aber statt abi zu machen nach der 11. aufgehoert, weil ich keinen bock mehr hatte, mein juengeres ich war wirklich schlau. nicht.) direkt angefangen zu arbeiten - vollzeit. da hab ich nach einer woche auch heulend meinen papa angerufen, haha. au pair hatte mich so gar nicht gereizt, ich konnte "damals" ueberhaupt gar nichts mit kindern angefangen. ist heute zwar immernoch so, aber meine einstellung hat sich zumindest etwas geaendert, heutzutage wuerde ich es zumindest versuchen :)
    dafuer wohn ich jetzt im ausland, verlaengertes au pair sozusagen :D

    AntwortenLöschen
  3. Ich schliesse mich an, was fuer ein schoener und spannender Post. Ich konnte mich sehr gut damit identifizieren. Auch ich war als Aupair 1 Jahr in England, damals ueber eine Agentur, mit der ich aber schon Probleme hatte. Ich hatte sehr viel Glueck mit der Gastfamilie, muss aber sagen, dass mich die Agentur dann einfach im Stich gelassen hat und viele versprochene Leistungen (z.B. Aupair-Treffen) niemals umgesetzt wurden. Jetzt bin ich selbst Gastmutter (und Mutter von 2 Kleinen) und nutze lieber die Online-Vermittlung. Wie du schon sagst, Erfahrungen können da abweichen, aber ich vertraue den Agenturen nicht mehr und organisiere mir lieber alles selber. Da bin ich auch sicher, dass ich das Aupair bekomme, was ich möchte. Sicher, bei den Online-Portalen muss man auch gucken, aber wir haben bisher vor allem aupair village genutzt und hatten damit sehr gute Erfahrungen.

    AntwortenLöschen
  4. Toller Beitrag. Als Jugendlich wollte ich das auch gerne machen, aber es haben irgendwie das Startkapital und auch die Motivation gefehlt, bzw. war auch einfach die Angst zu groß.

    LG, Sandrina

    AntwortenLöschen